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Foto: Bundesregierung/Denzel

 

Spiele erfinden und noch mehr

Ein Interview zum Themenschwerpunkt des gruppe & spiel - Heftes 4/2013 mit Ulrich Baer

Was versteht man eigentlich unter dem Erfinden von Spielen? Muss es immer ein komplett neues Spiel werden?

 

Ulrich Baer: Keineswegs. Ich würde auch lieber vom Weiterentwickeln von Spielen sprechen als vom reinen Erfinden. Warum? Die meisten Grundmuster der Spiele gibt es bereits. Ein komplett neues Spiel zu entwickeln - das grenzt schon fast an einen Geniestreich. Das ist auch bei den Gesellschaftsspielen so: die meisten Brett- und Kartenspiele,  sofern sie neu auf den Markt kommen, sind selten ein komplett neues Spiel. In den meisten Fällen handelt es sich um neue Inhalte zu im großen Ganzen bekannten Regeln oder es werden kleine Regelabwandlungen zu bereits bekannten Spielsystemen angeboten.

 

Trotzdem widmet ihr dem Erfinden von Spielen einen ganzen Heftschwerpunkt?

 

UB: Ja, weil wir damit eigentlich mehr meinen als nur eine umfassende Neuentwicklung von Spielen. Spiele weiterzuentwickeln heißt für mich auch Varianten zu erfinden, kleine Abwandlungen, die in der Gruppe erarbeitet werden, aufzugreifen oder Spiele mit neuen attraktiven Materialien auszustatten oder dem ganzen Spiel eine neue Geschichte zu geben, mit einem neuen Rahmen ein neues Thema aufzugreifen.

 

Können Sie uns dazu ein Beispiel nennen?

 

UB: Ich habe vor ein, zwei Jahren ein Spiel entwickelt, bei dem ich von einem Material ausgegangen bin. Es heißt „Kiesel und Krimskrams“. Bei diesem Spiel gibt es zehn grüne Kieselsteine und zehn kleine Dekostückchen. Für dieses Material hatte ich mir dann sechs schnelle Wahrnehmungsspiele ausgedacht. Das sind eher bekannte Spielprinzipien und insgesamt ist damit das Spiel noch nicht so richtig neu gewesen. Dann habe ich eine Verpackung für diese kleinen Steinchen und die aufgeschriebenen sechs Spielregeln gesucht: Für eine Streichholzschachtel waren die Materialien zu groß und für ein Holzkästchen wieder zu klein. Durch Zufall (oder durch aufmerksames Beobachten zusammen mit dem Verpackungsproblem im Hinterkopf) habe ich bei einem Besuch bei IKEA kleine gläserne Gewürzdosen gefunden, Stück ein Euro. Diese Gläschen waren die Lösung. Die hatten die richtige Größe, waren durchsichtig, man hat das attraktive Material gleich gesehen und wurde neugierig, was für Spiele man damit anstellen konnte. Hier waren eine interessante Ausstattung mit ungewöhnlichem Material und einer entsprechenden neuen Verpackung die wichtigsten Entwicklungselemente. Das könnte man Spiel gewordene Kreativität nennen. Darum geht es uns im Heft.

 

Es kommt Ihnen also bei den Beiträgen im nächsten Heft vor allem darauf an, die Kreativität deutlich zu machen, die bei der Weiterentwicklung von Spielen in Gruppen lebendig wird?

 

UB: In Gruppen oder von Gruppen. Jeder in der Gruppe kann zum Spieleentwickler werden. Das ist die wesentliche Aussage, wenn man beim Spieleerfinden nicht ein Geniestreich erwartet, sondern das Herausfinden von Spielregel-Varianten oder die Verwendung interessanter Materialien oder auch eine neue ästhetische Ausstattung.

 

Welche Wirkung entfaltet die Weiterentwicklung von Spielen in der Gruppe? Kann das Spieleerfinden auch ein gutes gruppenpädagogisches Projekt sein?

 

UB: In jedem Fall. Selbst ausgedachte oder weiter entwickelte Spiele besitzen eine große Wertschätzung in einer Kinder- oder Jugendgruppe. Sie identifizieren sich viel stärker mit dem Spiel, sie sind stolz drauf! Und es handelt sich um das Ergebnis eines eigenen kreativen Prozesses. Mit dem Spiele verändern, variieren, weiterspinnen oder teilweise neu erfinden fördert Einfallsreichtum und Problemlösungsfähigkeit bei allen. Spiele, ihr Regelwerk und ihr Material sind für Kinder ein wesentlicher Bestandteil ihrer täglichen Umwelt. Und damit nicht einfach nur Vorgefertigtes zu benutzen, sondern selber zu verändern und zu gestalten, ist ein kleines Stückchen Emanzipation.

 

 

Dieses Interview ist ein Beitrag für den aktuellen Newsletter der Zeitschrift „gruppe & spiel“. Hier können Sie den Newsletter kostenlos und unverbindlich bestellen:

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